Las Aristoteles Bücher?

 

Wie sollte er? Wo es damals doch gar keine „Bücher“ im heutigen Sinne in Athen der Klassischen Zeit gegeben hat und man, obwohl man lesen konnte, nicht selbst las, sondern von professionellen Vortragskünstlern vorlesen ließ? Zwischen den Philosophen Platon und Aristoteles wird heutzutage ein Einschnitt konstruiert, der den Durchbruch zur griechischen Buchkultur anzeigen soll. Ausgangspunkt dieser Theorie ist in der Regel ein Ausspruch Platons, nach dem er seinen Schüler Aristoteles einen Anagnostes genannt haben soll. Dieser wird dann als „Leser“ verstanden, obwohl damit jener professionelle, oft unfreie Vorleser gemeint ist. Wenn darüber hinaus dieser „wiedererkennende Vorlesevorgang“ Anágnosis in den westlichen Schriftkulturen (heute etwa bei performance anzusiedeln) als „Lektüre“ missverstanden wird, können wir auch erklären, warum in Raffaels berühmter „Schule von Athen“ Platon und Aristoteles mit dicken Codices unter dem Arm dargestellt sind. Meinungsbildend war in moderner Zeit vor allem das als Schlüsselwerk eingeschätzte Buch von Frederic G. Kenyon Books and Readers in Ancient Greece and Rome, Oxford 1932. Im griechischen Osten versieht der lesekundige Anagnostes in den griechisch-orthodoxen Klöstern bis heute diesen Dienst des kunstgerechten Vortragens vor Hörern, und der Priester verliest bis heute den Prosatext des Evangeliums „emmelós“, d. h. „melodiös“.

Griechenland 10 Jahre nach Ausbruch der Krise: Wiederaufstieg nach dem Regierungswechsel?

 

“Zehn Jahre nach Ausbruch der Schuldenkrise in Griechenland ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Wie hat sich die soziale Lage der Griechinnen und Griechen verändert? Sind in der Wirtschaft die für erforderlich gehaltenen Strukturreformen eingeleitet worden? Und sind Probleme wie der Klientelismus in der Politik überwunden worden? Nach Ansicht des ehemaligen linkspopulistischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras müsste 2018 eine positive Zeitenwende eingetreten sein, weil die direkte Kontrolle durch die Kapitalgeber nach Auslaufen des europäischen Kreditprogramms beendet wurde. Den Optimismus von Tsipras hat man in Griechenland offensichtlich nicht geteilt: Die Parlamentswahl vom 7. Juli 2019 konnte Kyriakos Mitsotakis mit seiner Mitte-Rechts-Partei gewinnen. Kann man in Griechenland auf eine bessere Zukunft hoffen und wird das Land ein berechenbarer und reformfreudiger Partner für Europa?”