Online-Gespräch

Zypern am Ende der EU-Ratspräsidentschaft: Arena von Macht- und Geopolitik

  • Antonio Costa, Präsident des Europäischen Rates mit dem Präsidenten Zyperns, Nikos Christodoulides. Alexandros Michailidis/Shutterstock

    Antonio Costa, Präsident des Europäischen Rates mit dem Präsidenten Zyperns, Nikos Christodoulides. Alexandros Michailidis/Shutterstock

    Es diskutieren

    • Prof. Dr. Hubert Faustmann, Professor für Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Nicosia / Leiter des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung Nicosia
    • Dr. Günter Seufert, Analyst, Journalist und Autor, bis 2023 Gründungsdirektor des Zentrums für Angewandte Türkei-Studien (CATS) bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin

    Moderation

    • Dr. Hansjörg Brey, Mitglied im Präsidium der Südosteuropa-Gesellschaft, München

    Zum Inhalt

    Bis zur Jahresmitte 2026 liegt die rotierende Ratspräsidentschaft der EU in den Händen der Republik Zypern. Am 24. Mai wählten die Bürger im Süden der geteilten Insel zudem ein neues Parlament. Grund genug, einen vertieften Blick auf den EU-Partner im äußersten Südosten zu werfen. 

    Zypern ist schon aufgrund seiner geographischen Lage besonders betroffen von vielen aktuellen geopolitischen Herausforderungen der EU: Neben dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und einer zunehmend erratischen Außenpolitik der USA war das bis Jahresbeginn vor allem der Krieg in Gaza. Hinzu kam zuletzt der Krieg gegen den Iran, unter Einbeziehung Israels und des Libanon. Der Konflikt mit Iran, sowie die explodierenden Kosten für fossile Energieträger, wurden ein prägendes Thema des zyprischen EU-Ratsvorsitzes. Für Zypern selbst wurde die eigene Verwundbarkeit als Frontstaat zu den aktuellen Kriegsschauplätzen deutlich. Der Angriff iranischer Drohnen auf die Britische Militärbasis von Akrotiri am 1. März 2026 war weit mehr als ein Kollateralschaden des Iran-Krieges. Er erscheint zum Teil als Antwort auf eine massive Militarisierung und einseitige strategische Orientierung der zyprischen Politik in den vergangenen Jahren. Zypern wird dabei (erneut) zu einer Arena der regionalen und globalen Macht- und Geopolitik.

    Gemeinsam mit unseren Experten wollen wir einen genaueren Blick auf die Dimensionen dieser Militarisierung und ihre Risiken werfen, sowie die Rolle der EU bei diesem Thema diskutieren. Zypern, so schreibt Günter Seufert in einer aktuellen Analyse, wurde im vergangenen Jahrzehnt ein military hub für Israel und die Vereinigten Staaten. Eine besondere Rolle spielten die exterritorialen Militärbasen unter britischer Souveränität. Mit diversen strategischen Allianzen sieht sich Zypern als Bollwerk gegen die Türkei. Inwiefern kann die Aufwertung des EU-Verteidigungsmechanismus und die Stärkung der strategischen Autonomie der EU Zypern mehr Sicherheit bringen? Wie reagiert die Türkei auf dieses Vorgehen, die immer noch ein Drittel des Inselterritoriums besetzt hält? Und wie betreffen diese Entwicklungen die Menschen auf beiden Seiten der Demarkationslinie?
     

    Am 15.06.2026, 17:00 h

    Venue: Online via Zoom

    CyprusPolitical Science