Wenn ich pfeifen möchte, dann pfeife ich
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Im Mittelpunkt des Films von Regisseur Florin Şerban steht der junge Rumäne Silviu (George Piștereanu),
der wegen Diebstahl vier Jahre Haft im Gefängnis absitzt. Einige Tage vor seiner Entlassung erfährt er, dass
seine Mutter, die in Italien Arbeit gefunden hat, Silvius jüngeren Bruder dorthin mitnehmen möchte. Er plant,
dies zu verhindern, und lernt währenddessen die junge Sozialarbeiterin und Soziologiestudentin Ana (Ada
Condeescu) kennen, die er spontan zu entführen beschließt.
Dieser Film, der dem radikalen Realismus
verpflichtet ist und auf „Trümmerlandschaften der Seele“ im postkommunistischen Rumänien blickt, ist ein
Fieberthermometer für eine Gesellschaft, in der die ökonomische Öffnung nach Westen tiefe emotionale
Gräben hinterlassen hat. Er zeigt uns das Porträt einer Jugend, die zwar theoretisch alle Freiheiten besitzt,
aber psychologisch in den Altlasten und der Abwesenheit ihrer Eltern gefangen bleibt.
Der Film thematisiert das Schicksal der „Generation der Zurückgelassenen“, die Erosion staatlicher Autorität, die psychologische Verfassung junger Männer in einem Umfeld ohne Perspektive sowie nicht zuletzt das Paradox der
Wahlfreiheit. Entsprechend des „Cinéma Vérité“ arbeitet der Regisseur mit professionellen Schauspielern und echten Strafgefangenen. Neben der emotionalen Authentizität vermittelt der 2010 entstandene Film, der im gleichen Jahr bei den Filmfestspielen in Berlin den Silbernen Bären erhalten hat, zudem ein Gefühl der Unmittelbarkeit.
Am 02.06.2026, 18:15 Uhr
Ort: Philosophicum, Raum P 207, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz